Einmal um die ganze Insel
Nicht mehr lange und es ist wieder Sommer - und ich bin wieder da, auf der wunderschönen Insel Mallorca. Die Insel von der ich nie etwas wissen wollte, hat es mir plötzlich voll angetan. Ein Hohn ist das, wenn nicht sogar ein Wahn.
Im vergangenen Mai fing alles an….
Von meiner besseren Hälfte habe ich mich überreden lassen, mein Geld nicht für sinnlose Dinge zu verprassen. All inklusiv buchten wir ohne lange nachzudenken und bei small exklusiv tat ich fast den Hals verrenken. Auch die Augen renkte ich mir beinahe aus, bei der Suche nach Sternchen „Vier“ in dem Drei-Sterne-Haus. Nun ja, wenn auch der Service zu wünschen übrig ließ, der Wind tat sein bestes, auch wenn er verkehrt ´rum blies. Das wechselhafte Wetter ließ keine Sonderwünsche offen und der allabendlich ersehnte Sonnenuntergang auf ein Besseres hoffen. Und siehe da - wie heißt es so schön? Die Hoffnung wird als letztes untergeh´n. Am letzten Tag nämlich, wenn der Urlaub ist vorbei, da ist einem das Wetter sowieso einerlei.
Ein Genuss war für mich die reizvolle Natur, nicht nur kurzweilig sondern rund um die Uhr. Ach , was hätt´ ich für einen Schlafwagen gegeben, wenn ich frühmorgens schläfrig musste die Insel erleben. Wie ein Früh-Renter kam ich mir in dem Rent a car vor, als mein munterer Mann Gas gab, mit Ziel Cala Millor. „Von wegen nach Palma und wieder zurück, Tom-Tom zeigt dir die Insel, du hast ja so´n Glück..“. Eine rasante Panoramafahrt hatte Schorsch mir versprochen und tatsächlich sein Versprechen nicht ein Mal gebrochen.
In Cala Millor genervt angelangt, wollte ich nur wieder fort, zu viele Leute am Strand. Kurz entschlossen fuhren wir weiter, zusehends wurde der Himmel heiter. Vor uns lag da eine einsame Bucht, ‚mein Gott wie romantisch, so was hab ich gesucht‘. ‚Hier lässt es sich aushalten, meinte auch wohlwollend mein Mann. Aber erst später, lass dein Kleidchen ruhig an‘. Himmel, der Badeanzug zwickte schon bis zu den Rippen, doch Schorsch interessierte sic h nur für die Klippen. Für einen Einhalt blieb überhaupt keine Zeit, das Kloster brauchte noch unsere Aufmerksamkeit. Am Stausee „Gorg Blau“ machte Schorsch erstmals schlapp, ops, erst ´mal Halt, mein Gott, war es dort stürmisch und unerhört kalt. Resistent gegen Kälte war aber auch mein Göttergatte nicht, das ist doch mal was, was echt für ihn spricht. Zum Wandern nicht warm genug angezogen, sind wir dann weiter oder wieder in Richtung Süden gezogen. Karibik Feeling sollte in Playa Es Trenc auf uns warten und Schorschi versicherte, mit mir durchs glasklare Wasser zu waten. Ganz klar wollte ich darauf nicht noch länger warten und bat ihn energisch, endlich durchzustarten.
Was mich erwartete, hat man hier schnell durchschaut, von dem Abstecher in die falsche Richtung war ich absolut nicht erbaut. Am wenigsten von dem Rennrad-Konvoi , der sich vor uns staute, indes sich am Himmel ein Unwetter braute. Als international erprobte Rennstrecke erweisen sich Mallorcas Straßen am Besten, was die hyperaktiven Radfahrer das ganze Jahr über testen.
Irgendwann angekommen im Wilden Westen dann, sorgte in Soller für Bewunderung die historische Bimmelbahn. Überdies verlor ich am Bahnhof meinen Ehemann, der ganz wild darauf war, einmal mitzufahr´n. Spontan ranzte ich ihn hysterisch an: ‚Gib Gas Schatz und fahr endlich den Süden an‘. Über Pollenca im Norden wollte er den Süden erreichen, das gab mir den Rest und es sollte echt reichen. ‚Wir machen sofort in Alcudia Rast, sonst kriegst du von mir echt eine verpasst‘.
Unter Knurren fuhr er Alcudia an, aufgeschoben war die Fahrt mit der Bummelbahn. Ich raus aus dem Auto und runter zum Strand, ein Blick bot sich mir, den ich umwerfend fand. Türkis schien das Wasser, der Sand leuchtete weiß, mit der linsenden Sonne wurde es regelrecht heiß. Ach war das herrlich, das kühlende Nass, auch Schorschi ganz schnell seinen Ärger vergaß. Vergnüglich plantschten wir in den wogenden Wellen, wogen ab dass es nicht schöner sein kann auf den Seychellen. ‚Vielleicht sollten wir noch kurz nach Andratx fahr´n‘, gab plötzlich zum Besten mein Ehemann. ‚Andratx liegt im Westen, du hast dich vertan‘, verhöhnte ich sauer seinen dämlichen Plan. ‚Ach das ist ja günstig‘, meinte Schorschi dann, ‚Fornalutx liegt im Westen, zieh dich schnell wieder an‘ .
Über Inca nach Palma sind wir dann gefahr´n, am Zielort aber kamen wir leider nicht an. Tom-Tom hatte sich überschlagen und gänzlich vertan, und ich tat den Schritt wagen , zog die Hosen an. ‚Mein lieber Schorsch‘, man kann mir glauben, ich wurd´ rabiat, ‚du kannst mich doch mal, mit deiner friedlosen Art.
Ich will nicht in den Norden, in den Westen oder Osten, ich will endlich meinen Urlaub und die Sonne kosten. Lass es kosten was es wolle, du wirst ohne mich fahr‘ n, und fährst du jetzt weiter, bist du ein toter Mann‘. Das hatte Wirkung, Schorsch staunte nicht schlecht, er murrte ein wenig, aber dann gab er mir Recht. ‚Nun gut, dann lass uns an die Playa fahr´n, ähm geh’n, auf eine Art kann ich dich auch versteh’n‘.
So gingen wir denn Hand in Hand, an den feinsandigen Bade-Strand. Flüsternd lockten die Wellen ‚kommt her, kommt ins Meer‘, ich folgte dem Aufruf , Schorsch sprang hinterher. Mein Gott, war das herrlich in dem kühlen Nass, schnell mein Schorsch-Georg seinen Frust vergaß. Man soll es nicht glauben, von diesem Moment an, wollte er nicht mehr um die Insel fah´r n.
‚Ach Schatz, ist das schön hier‘, erwog selbst mein Mann, der liebevoll nahm mich in seinen Arm. ‚Aber morgen, da seh´n wir uns ein paar Bollwerke an und am Abend geh´n wir zum Ballermann`. Vor Augen „dell Bellver“, das alte Castell, ‚Mensch‘, dachte ich ‚prima, das geht sicher schnell‘.
Tags drauf dann in Palma, vor der Kathedrale, salutierte very british ein Kannibale. Mit der Hand, seiner rechten, hielt er stramm einen Speer, ‚für ein Foto, blonde Frau, please come zu mir her‘. Ich folgte auf`s Wort, lehnte mich an ihn an, an diesen bildschönen und appetitlichen Mann. Als dieser fing auch noch zu knabbern an, wurde überaus wütend mein Ehemann. ‚Für ein Foto stehst du für den da parat?‘, zornig packte Schorschi ein seinen Fotoapparat. Dann packte er mich, nahm mich fort auf der Stelle, ‚der Kerl hier macht keinen auf Angeber-Welle. Durch die Altstadt machen wir jetzt einen Bummel, mein Schatz such dir aus einen schicken Fummel‘.
Tja, lieber Leser, das kann einem passieren, wenn man nicht vor ihn kriecht auf allen Vieren – sondern selbstbewusst geht auch mal richtig ran, an ein Wilden sowie wildfremden Mann.
