Es war einmal ein kleiner Nachtfalter, der liebte Welt-Kugeln über alles. Angewidert von Motten-Kugeln hatte Elli die Nase voll von den muffig stinkenden Dingern, die fast jeden Kleiderschrank vermieften, egal in welchem Haushalt sie sich auch aufhielt.
Wie magisch angezogen von einem beleuchteten Globus fühlte sich Elli Mottentanz, eine kleine Motte. Jede Nacht schwirrte sie vor Benedikts Kinderzimmerfenster herum und bewunderte die geheimnisvolle Kugel auf seinem Schreibtisch. Die Nase drückte sie sich an der Fenster-Scheibe platt, vor Verzückung über den beleuchteten Erd-Ball.
Eines Abends dann, Benedikt hatte die Roll-Läden nicht ganz heruntergelassen, zwängte sich Elli durch einen schmalen Zwischenraum und schaffte es unbemerkt durch das geöffnete Zimmerfenster ins Kinderzimmer vorzuzudringen.
Vorsichtig drehte sie eine Runde unter der Zimmerdecke, nach einem unauffälligen Landeplatz Nähe Leucht-Ball Ausschau zu halten. Benedikt, der mit seinen Hausaufgaben für Erdkunde nicht fertig wurde, drehte gelangweilt den Globus. Und während er ihn drehte und drehte, immer wieder um die eigene Achse, flirrte Elli Mottentanz selbstvergessen zu ihm hinüber, mit Landeanflug auf seine Schulter. Vom grellen Licht der Erdkugel geblendet, setzte sie direkt, hoppla, nein doch nicht, leider dran vorbei, zur Notlandung an. „Oh Shiet“, schimpfte die kleine Motte, „ ist das hier kalt“. Elli, dessen nicht bewusst, dass sie auf dem Globus mitten in Greenland gelandet war, saß auf einer Eisscholle fest. „Hiiiiiiiiiiiiiilfeeeeeeee“, schrie sie so laut sie konnte, „ich erfriiiiiiiiiiiiiiere. Holt mich hier raus!“
Benedikt, gerade im Begriff seine Hausaufgaben auf den nächsten Tag zu verschieben, traute seinen Ohren nicht. Da hat doch jemand vom Globus aus um Hilfe gerufen?! Indes er mit seinem Finger die Richtung ortete wo der Hilferuf herkam, blieb dieser direkt auf Grönland kleben. „Vorsichtig, du zerdrückst mich“, klagte die fast zu Eis Gefrorene. „Aber bevor du den Finger wieder wegnimmst, nimmt mich mit“. Der am Eis festgeklebte Finger, mit Benedikt dran, erstarrte vor Kälte und Benedikt vor Verblüffung. „Hey, Du Winzling. Was machst du denn in Grönland – ich meine auf meinem Globus?“, wollte der Junge wissen, während er sich selbst und dann die Motte aus dem ewigen Eis befreite.
„Das ist eine lange Geschichte“, gab die Kleine zur Antwort und bat Benedikt um etwas Wärme. „Kannst du haben“, entgegnete er großherzig, „ich setze dich einfach auf Australien ab. Aber nur, wenn Du mir verrätst was du in meinem Zimmer zu suchen hast“.
„Mach ich ganz bestimmt“, rief Elli keck von Alice Springs herüber, „aber zuerst einmal mache ich drei Wochen Ferien in Australien, so schön wie es hier ist und anschließend noch einen kurzen Abstecher nach Neu Seeland“.
„Ja, ja“, lachte Benedikt, „und einfangen soll ich dich wohl …“ .
„…auf den Bahamas“, beendete das Mottenfräulein den Satz und lachte mit Benedikt um die Wette.
Beeindruckt von der Abenteuerlust der kleinen Motte schloss Benedikt mit dem kleinen Flattermann, sorry, mit der kleinen Flatterfrau, Freundschaft. Elli ließ sich natürlich nicht nehmen, ihrem besten Freund von ihren Abenteuern in den vielen fremden Ländern zu berichten - damit er seine Schulaufgaben für Erdkunde ausführlich machen konnte.
Und wenn sie nicht verflüchtigt hat, dann erzählt sie ihm noch heute...
Hildegard Grygierek
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Märchen
Ein Globus für Elli Mottentanz
