Früher, bei uns Zuhause, da gab es die „Ahoi-Brause“. Am liebsten mochte ich sie am Stück. Manchmal habe ich mir direkt die Zunge blutig geleckt, so wild wie ich auf diese prickelnde Brause-Würfel war. Ich steckte mir aber auch schon mal den ganzen Würfel auf einmal in den Mund, speichelte ihnordentlich ein und … der Mund lief über, klar. Mein Papa mochte die Brause auch. Aber lieber trinken. Ein Beutelchen „Waldmeister-Brause“ ins Glas, Wasser drauf und das war´s. Alles schäumte über und Mama vor Wut - über die Sauerei auf der Tischdecke.

Papa mochte aber auch gern Süßes. Karamellbonbons, zum Beispiel, liebte er über alles. Aber nur die echten „Polnischen“, die mit der Kuh drauf. Mein Gott, hat er sich die Dinger weggehauen. Bisweilen eine ganze Tüte voll. Als Kind fand ich es schrecklich, wenn er sie nahezu kannibalisch zerbiss und dabei gluckste und schmatzte wie ein .. na ja, wie ein Ferkel halt.

Nur Mama freute sich über seinen animalischen Appetit und war stolz, dass sie ihrem geliebten Mann eine Freude machen konnte. Nicht immer erlaubte die Haushaltskasse solche Besonderheiten - aber wenn, dann schlug Mama echt zu. Dann verwöhnte sie ihren Gustav mit Schwarzwälder-Schinken und –Kirschtorte, Tilsiter-Käse und anderem Käse. Spezialitäten wollte ich sagen. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann weiß ich, es hätte ganz anders heißenmüssen. Nämlich „Liebe schlägt auf den Magen“, denn, so oft wie Papa über Leibschmerzen klagte und sich aus Liebe zu seiner Frau all seine Leibgerichte auf einmal wegputzte … das konnte ja nur Liebe sein.

Einen Reim auf die Liebe meiner Eltern machten sich meine Schwester und ichstets. Am liebsten, wenn sie sich stritten. Dann wussten wir von vornherein, einer wird der Sieger sein. Meine Herrn, konnte die Frau ihren Mann schlagen. Mit Worten natürlich. Niemals hätte sie die Hand gegen ihren Ehemann hochgehoben, außer, sie wollte ihm den Mund zuhalten. Dann war Papa nicht mehr zu halten. „Walle walle manche Strecke, in die Kneipe um die Ecke, dass zum Zwecke
Bierchen fließe“, frotzelte meine Schwester und fand, dass ich dem Zauberlehrling auch eine Strophe widmen sollte:

„Seht da kommt er schleppend wieder
Wie er auf sein Bett sich wirft
Schlotternd hängen seine Glieder
völlig fertig von dem Gift
Wahrlich ich will nicht mehr zechen
seht ich bin total entzwei
ich will lieb sein und brav knechten
komm zu mir mein holdes Weib“