Herr Stoll vom Ruhrpark-Einkaufszentrum-Center-Management pirscht immer wiederkehrend durch seinen Ruhrpark. Mit einem Tütchen gebrannter Mändelchen in der Hand, frisch geröstet vom Mandelmann türkischer Herkunft, durchkämmt er sein Revier. Miss Milly Mall, einmaligschöne Fischfrau von den Maller-Nordseestuben, jammert dem Stoll die Boje voll: "Wenn das so weitergeht haben wir bald Stinkfisch statt Stockfisch und sind noch vor Dezember platt wie unsere Mai-Schollen. Was sollen wir nur tun?" "Nicht heulen Miss Milly. So wahr ich Christkind, ach quatsch, Christoph heiße, werde ich sehen was ich machen kann", entgegnet der Centermanager und streichelt mitleidig ihren schuppigen, naturblonden Schopf in Richtung Auswuchs. "Bei uns ist die Baltzzeit auch nicht gerade erträglich", röhrt Arnold um die Ecke.

"Weihnachten steht vor der Tür und der Ruhrparkgrill mitten im Weg, so, dass nichts mehr geht - und auch keiner kommt". "Wenn das stimmt", überlegt Herr Stoll, "werde ich den Damen vom Grill das Miet-Verhältnis kündigen. So geht das nun nicht." Großen Schrittes, Richtung China-Town, an Little Italy vorbei, fragt er Ali den Dönermann wie´s denn so läuft. Ali, mit Tränen in den Augen von scharfe Zwiebelne, packt in seine leere Dönertasche und klagt: "Du, Centermann, ich Ali dumm guck, weil Ruhrpark-Grill macht die Geschäftene kaputt."

"Duftende Lotosblüte" vom China-Imbiss macht Schangheia vor Langeweile und gibt Stoll den Rest. Ein klitzekleines Schälchen Reis ohne alles. Der Centermanager hat die Schnauze voll -vom (k)alten Cappucino , abgestandenen Süppchen, holländischen Fett-Fritten, fleischlosem Fried Chicken, krankmachenden Big Mac´s, furztrockenem Kuchen, anderen Fettfallen und letztendlich von warmen Kaltgetränken.

Für ihn steht fest, Schuld trägt einzig und allein der Koch vom Ruhrparkgrill. "Der kriegt nicht nur was auf die Mütze, mit dem werde ich mal ordentlich, der Jahreszeit entsprechend, Schlitten fahren", zeigt sich Christopherus festentschlossen von seiner sonst weniger fahrlässigen Seite. Beim Eintritt der Ruhrpark-Grill-Tür stehen Besuchern und Gästen die Haare vor Ehrfurcht zu Berge. Allein sein Anblick lässt sie erschaudern. "Koch, Mädels - es ist Auszeit!" Totenstille macht sich im Esstraurant breit, vernehmbar nur noch die köstlichen Grillgerüche von zarten saftigen Steaks und knusperfrischen Pommes Frites. Die unheimliche Stille wird von einem spitzen Schrei aus der Grillecke messerscharf durchbrochen. Ladie Kartoffelbrei, wie sie von ihren Kolleginnen liebevoll aufgezogen wird, hat sich am Herd die Brust verbrannt. Ein geistesgegenwärtiger Gast kühlt die Brandwunde sofort mit kaltem, frischgezapftem, durstlöschendem Pilsener vom Fass.

Herrn Stoll läuft das Wasser im Munde zusammen. "Jetzt ein urquelliges Hopfenwässerchen", räumt er sich eine Trinkpause ein, während er beim Wirt die Bestellung aufgibt: "Ein Pils, ein Schnaps, aber zack, zack." Ohne Widerspruch schenkt ihm der Wirt ein, was er braucht.

Auf eine Fortsetzung sind wir nun ziemlich gespannt!

Hildegard Grygierek
02.11.2003